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Alternative zur Schwarzarbeit in Privathaushalten

Alternative zur Schwarzarbeit in Privathaushalten

Die Rheinischen Hausjuwelen aus Köln
Die "Rheinischen Hausjuwelen" aus Köln bieten eine Alternative zur Schwarzarbeit in Privathaushalten. Foto: privat

Schwarzarbeit in Privathaushalten ist in den vergangenen zehn Jahren erheblich zurückgegangen. Viele Haushaltshilfen sind mittlerweile in Minijobs tätig. Dennoch arbeiten nach einem Bericht des Institutes der deutschen Wirtschaft immer noch drei Millionen Haushaltshilfen in Deutschland schwarz.

Die „Rheinischen Hausjuwelen“ in Köln wollen das Ansehen und den Wert haushaltsnaher Dienstleistungen vor allem im Reinigungsbereich steigern und eine realistische Alternative zur Schwarzarbeit bieten.

Wir sprachen mit Andreas Kühne, dem Gründer der „Rheinischen Hausjuwelen“, über sein Alternativangebot.

Herr Kühne, Sie bieten legale, bezahlbare Haushaltsdienstleistungen an. Wie sieht Ihr Angebot aus?

Andreas Kühne: Wir bieten eine Festanstellung in unbefristeten, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen an. Die bei uns beschäftigten Frauen können die Anzahl der Haushalte, die sie betreuen, und damit den Umfang der Arbeitsstunden selbst bestimmen. Ort und Zeit werden auch weitestgehend mitbestimmt und damit den eigenen Lebensverhältnissen (z.B. der Kinderbetreuung) angepasst. Wir legen Wert auf nachhaltige, dauerhafte Arbeitsplätze und wollen den Stellenwert haushaltsnaher Dienstleistungen in unserer Gesellschaft steigern. Aus diesem Grund stellen wir unsere „Juwelen“ in neuen Haushalten persönlich vor. Erst nach einem „Probearbeitstag“ entscheiden beide Seiten, ob sie es miteinander versuchen wollen. Nur so kann das Vertrauensverhältnis zwischen den Kunden und ihren Haushaltshilfen entstehen, das Voraussetzung für eine dauerhafte Zusammenarbeit ist. Im Übrigen können die Haushalte 20% der Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen von ihrer Steuerschuld abziehen.

Was unterscheidet Sie von „Online Plattformen“, die zunehmend Haushaltsdienstleistungen anbieten?

Andreas Kühne: Online-Plattformen vermitteln i.d.R. selbstständige Frauen, die als Kleinunternehmerinnen tätig sind. Sie müssen sämtliche Beiträge zur Sozial-, Unfall- und Haftpflichtversicherung selber zahlen. Hinzu kommen die Aufwendungen im Rahmen der Selbstständigkeit und die Vermittlungsprovision, die an die Plattform zu zahlen ist. Unter dem Strich verdienen die Frauen dabei deutlicher weniger als der gesetzliche Mindestlohn. Verdienstausfälle bei Krankheit und Urlaub gehen auf die eigenen Kosten. Vermittlungsplattformen haften i.d.R. nicht für die Qualität der erbrachten Leistungen. Wir übernehmen die volle Arbeitgeber- und Betriebsverantwortung sowohl gegenüber unseren Angestellten als auch beim Kunden. Nur so können dauerhafte Arbeitsverhältnisse beim Kunden entstehen.

Was verdienen die „Hausjuwelen“ in Ihrem Unternehmen? Wie sieht die soziale Absicherung aus?

Andreas Kühne: Wir bezahlen unsere „Juwelen“ in Anlehnung an den Tarifvertrag für die Gebäudereinigung. Der Stundenlohn für eine ungelernte Reinigungskraft liegt aktuell bei 9,80 € und beträgt ab dem 01.01.2017 10 €. Unsere Angestellten sind nach allen gesetzlichen Maßgaben versichert, sie erhalten den gesetzlichen Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Gegen evtl. verursachte Schäden sind wir ausreichend haftpflichtversichert.

Sie bieten nach eigenen Angaben vor allem langzeitarbeitslosen Frauen eine familienfreundliche Beschäftigungsalternative. Was bedeutet das konkret?

Andreas Kühne: Wir haben gute Kontakte zu den hiesigen Jobcentern und arbeiten intensiv mit den Jobbörsen in Köln und Umgebung zusammen. Dadurch konnten wir viele langzeitarbeitslose Menschen, insbesondere Frauen, einstellen, die auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen hatten.

So beschäftigen wir z.B. viele allein erziehende Mütter. Sie profitieren von den familienfreundlichen Arbeitszeiten in den Privathaushalten (Arbeitsbeginn meistens nicht vor 08.30 Uhr), die es ihnen ermöglichen, ihre Kinder vorher zu versorgen. 90 % unserer Beschäftigten kommen aus der Langzeitarbeitslosigkeit. Für sie waren die haushaltsnahen Dienstleistungen eine gute Möglichkeit, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Deshalb werben wir auch dafür, dass die gesellschaftliche Anerkennung und Wertigkeit unseres Berufsstandes angehoben wird.

Wie viele Nationalitäten finden wir bei Ihren „Hausjuwelen“?

Andreas Kühne: Wir haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Deutschland, Italien, Portugal, Bosnien, Mazedonien, der Türkei und Laos. Das Verständnis der Beschäftigten untereinander ist sehr gut.

Kann das Reinigungsgewerbe auch für geflüchtete Menschen eine Perspektive darstellen?

Andreas Kühne: Ich sehe hier sehr gute Möglichkeiten, weil die Tätigkeiten keine umfassenden Deutschkenntnisse voraussetzen. Wir verfolgen schon seit längerem die Idee, ein Fachwörterbuch mit den wichtigsten Fachbegriffen für unsere Tätigkeiten zusammenzustellen. Wir haben das mit unserem italienischen Mitarbeiter gemacht, der bei uns für die Glasreinigung zuständig ist. Das war sehr erfolgreich. Mit Hilfe des Miniwörterbuches konnte er in kürzester Zeit Arbeitsanweisungen verstehen und ausreichend kommunizieren. Wir haben uns mit dieser Idee bereits an verschiedene Behörden und wirtschaftsnahe Akteure gewandt, weil wir auf der Suche nach Sponsoren für die Umsetzung sind. Diese Bemühungen waren bislang leider ohne Erfolg.

Was verbinden Sie als Unternehmer mit den Begriffen „Faire Arbeit – Fairer Wettbewerb“?

Andreas Kühne: Für uns ist es wichtig, dass die Wertigkeit unseres Berufsstandes angehoben wird. Haushaltshilfen sind kein Luxus für Reiche, sondern für viele Familien unverzichtbar, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Leider werden Betriebe, die wie wir legale Dienstleistungen zu fairen Bedingungen für die Beschäftigten anbieten, in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen und auch nicht unterstützt. Solange es für Kunden attraktiver ist, auf Online-Plattformen oder Schwarzarbeit zurückzugreifen, können wir nicht von einem fairen Wettbewerb sprechen. Faire Arbeit bedeutet für mich in erster Linie, dass sie ordentlich bezahlt wird.

 

 

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