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Arbeitsmarkt in NRW: Überwiegend Frauen arbeiten in Teilzeit

Arbeitsmarkt in NRW: Überwiegend Frauen arbeiten in Teilzeit

Vierfünftel der Teilzeitstellen in NRW werden durch Frauen besetzt. Bild: Michel Koczy
Vier Fünftel der Teilzeitstellen in NRW werden durch Frauen besetzt. Bild: Michel Koczy

Teilzeitarbeit ist nach wie vor eine Domäne der Frauen. Fast vier Fünftel aller Teilzeitstellen in NRW werden von Frauen besetzt. Während nur rund ein Zehntel der Männer einer sozialversicherungspflichtigen Teilzeittätigkeit nachgehen, sind es bei den Frauen fast 50 Prozent. Bezieht man auch Minijobs mit ein, arbeiten in NRW weniger als die Hälfte der erwerbstätigen Frauen in Vollzeit. Vom Abbau der Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr konnten Frauen stärker profitieren als Männer: Die Zahl arbeitsloser Frauen ging um 5,1 Prozent, die arbeitsloser Männer um 3,1 Prozent zurück.

Zum Weltfrauentag am 8. März veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit die Broschüre „Frauen am Arbeitsmarkt in NRW“.

„Die Entscheidung, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nur in Teilzeit auszuüben, ist in den meisten Fällen eine persönliche Entscheidung der Frauen“, sagte Christiane Schönefeld, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für  Arbeit. „Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle. Viele Frauen wollen sich zum Beispiel mehr Zeit für die Familie nehmen. Andere würden gerne mehr arbeiten, können es aber aufgrund der Rahmenbedingungen, zum Beispiel fehlender Kita-Plätzen, nicht.“

Für Unternehmen zahle es sich aus, sagte die Arbeitsmarktexpertin, Teilzeitarbeit möglich zu machen: „Arbeitgeber können sich durch Teilzeitangebote Fachkräfte sichern, die das Unternehmen gut kennen, motiviert sind und später wieder in die Vollzeit zurückkehren können. Wenn Teilzeit keine Sackgasse ist und die Rahmenbedingungen es erlauben, Arbeit und Familie unter einem Hut zu bekommen, profitiert die ganze Gesellschaft davon.“

Zahl der Minijobberinnen zurückgegangen

Bestehe bei der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitarbeit häufig eine Win-win-Situation zwischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeber, sei das bei den Minijobs etwas anderes“, sagte Schönefeld: „Wir wissen, dass viele Minijobberinnen gerne mehr und in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung arbeiten würden.“

Auch Minijobs sind eine Domäne der Frauen. Im Juni 2017 arbeiteten 783.580 Frauen, aber nur 465.331 Männer ausschließlich in geringfügigen Beschäftigungen. Allerdings ging die Zahl der Minijobberinnen im Vergleich zum Vorjahr deutlich, um 21.588 Frauen oder 2,7 Prozent zurück.

„Viele Arbeitgeber können gute Mitarbeiterinnen dauerhaft binden, wenn sie die Minijobs in versicherungspflichtige Teilzeitarbeit umwandeln“, sagte Schönefeld. Das habe für beide Seiten Vorteile: „Die Frauen können mehr arbeiten, mehr verdienen und erwerben auch höhere Rentenansprüche. Die Umwandlung von Minijobs in Teilzeitarbeit rechnet sich aber auch für Arbeitgeber: Sie gewinnen nicht nur an Arbeitskraft, in vielen Fällen wird für sie die Arbeitsstunde sogar billiger.“ Zur Beratung und Unterstützung von Minijobberinnen, Minijobbern und Arbeitgebern, die Minijobs in sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung umwandeln wollen, gibt es in NRW an verschiedenen Standorten Initiativen der Agenturen für Arbeit.

Beschäftigung von Frauen steigt, Arbeitslosigkeit sinkt

In NRW gab es im Juni 2017 1.807.840 sozialversicherungspflichtige Teilzeitarbeitsplätze. Frauen besetzten 1.414.924 oder 78,3 Prozent dieser Arbeitsverhältnisse, 392.916 Männer gingen einer Teilzeittätigkeit nach. Zwar ist auch bei Frauen die Vollzeit in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen die Regel. Doch mit einem Anteil von 53,3 % an allen Arbeitnehmerinnen ist die Teilzeit bei Frauen nicht so selbstverständlich wie bei Männern, die zu 89,3 Prozent einer Vollzeitarbeit nachgehen.

2017 arbeiteten erstmals mehr als drei Millionen Frauen in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Im Juni waren es 3.030.194 Arbeitnehmerinnen – 66.443 Frauen oder 2,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bei den Männern legte die Beschäftigung um 82.513 Arbeitnehmer oder 2,3 Prozent zu. Der Anteil der Frauen an allen Beschäftigten blieb mit 45,2 Prozent gleich.

Die Zahl arbeitslos gemeldeter Frauen ging um 3,5 Prozent auf 315.511 Personen zurück, die der arbeitslosen Männer um 3,3 Prozent. Auffällig: Die Zahl der arbeitslosen Frauen, die eine Tätigkeit als An- und Ungelernte suchten, sank mit 5.507 Personen stärker als die vergleichbar qualifizierter Männer mit einem Rückgang um 2.589 arbeitslosen Helfer. Die Qualifizierung arbeitsloser Frauen ist ein wichtiger Schlüssel: Während 44,8 Prozent der arbeitslosen Männer als geringqualifiziert gelten, suchen 54,9 Prozent der arbeitslosen Frauen eine Stelle für An- und Ungelernte. In vielen Fällen genügen kurze Fortbildungsmaßnahmen, um Frauen - etwa nach einer Familienphase - wieder auf das Niveau einer Fachkraft zu heben und ihnen so eine neue berufliche Perspektiven zu eröffnen.

Anteil Frauen in MINT-Berufen in NRW unterdurchschnittlich

In NRW liegt der Anteil der Frauen, die einen technischen Beruf ausüben, niedriger als in ganz Deutschland. Zu diesen sogenannten MINT-Berufen gehören zum Beispiel Berufe in den Bereichen Information und Kommunikation. Hier sind in NRW 14,2 Prozent aller Arbeitnehmer weiblich, während bundesweit Frauen immerhin 16,0 Prozent der Beschäftigten stellen. Noch deutlicher ist der Unterschied in Berufen, die Kenntnisse in den Bereichen Mathematik, Biologie, Chemie oder Physik voraussetzen: In NRW sind in diesem Bereich 27,8 Prozent aller Angestellten weiblich, bundesweit 37,2 Prozent. Auch im Bereich der Berufe rund um Maschinen und Fahrzeugtechnik liegen die Frauen in NRW im Deutschland-Vergleich zurück: Sind bundesweit nur 10,0 der Angestellten weiblich, sind es in NRW noch einmal 0,8 Prozent weniger.

Die geringe Beschäftigung von Frauen in MINT-Berufen gilt als ein Grund für das sogenannte Gender Pay Gap in Deutschland: Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt weniger als Männer. Der Abstand – englisch: Gap – ist besonders hoch in Regionen mit einem hohen Beschäftigtenanteil in den technischen, also den sogenannten MINT-Berufen. Dementsprechend ist die Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern in Leverkusen und Krefeld aufgrund des hohen Männeranteils in Chemie-Berufen deutlich über dem Durchschnitt. Insgesamt verdienen in NRW Männer 14,0 Prozent mehr als Frauen, was etwa dem bundesweiten Wert von 14,2 Prozent entspricht.

Die Broschüre „Frauen am Arbeitsmarkt“ finden Sie hier.

 

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