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Die Situation in der deutschen Fleischindustrie bleibt problematisch!

Die Situation in der deutschen Fleischindustrie bleibt problematisch!

Das Beratungsprojekt "Faire Mobilität" hat in einer aktuellen Broschüre Standpunkte und Fallbeispiele zur Situation in der deutschen Fleischindustrie dokumentiert. Fazit: Die Bilanz ist zwiespältig.

Jahrzehntelang wurde in der deutschen Fleischindustrie die Ausgliederung von Kerntätigkeiten über Werkverträge auf die Spitze getrieben. Unternehmen beauftragen Subunternehmer mit dem Schlachten und Zerlegen, der Verarbeitung, Verpackung und Kommissionierung. Die Stammbelegschaften in Deutschlands großen Schlachthöfen und Zerlegebetrieben sind auf eine Minderheit geschrumpft. Der Großteil der Arbeit wird von mobilen Beschäftigten aus Mittel- und Osteuropa erledigt. Ihre Arbeitsbedingungen sind hart, die Behandlung durch Vorgesetzte oft rüde, Schichten von zwölf bis 14 Stunden keine Seltenheit.

Seit 2014 ein allgemeinverbindlicher Mindestlohn für die Branche eingeführt wurde, haben sich die Bedingungen verbessert. Im September 2015 unterzeichneten die sechs größten Konzerne der Fleischindustrie eine Selbstverpflichtungserklärung »für attraktivere Arbeitsbedingungen«.

Dennoch: Die Bilanz ist zwiespältig. Einerseits wurden Tausende zuvor bei ausländischen Briefkastenfirmen angestellte Beschäftigte in deutsche sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse übernommen. Andererseits unterlaufen Subunternehmen mit allerlei Tricks und krimineller Energie den Mindestlohn: Durch Arbeitszeitbetrug, illegale Abzüge für Werkzeug und Schutzkleidung oder das Nichtbezahlen von Umkleide- und Wegezeiten innerhalb der Betriebe. Und weil der Großteil der Beschäftigten weiter in zweifelhaften Werkverträgen bei »externen Dienstleistern« angestellt ist, bleiben ihnen elementare demokratische Rechte im Betrieb verwehrt.

Das Beratungsprojekt »Faire Mobilität« hat seit Beginn des Jahres 2016 die Beratung von Werkvertragsbeschäftigten in der Fleischindustrie deutlich intensiviert. Mit zusätzlichen Mitteln aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) sind fünf weitere Beraterinnen und Berater eingestellt und in Rheda-Wiedenbrück und Oldenburg Beratungsbüros eröffnet worden.

Quelle: Projekt "Faire Mobilität", Januar 2017

Die Broschüre "Zur Situation in der deutschen Fleischindustrie" finden Sie hier.

 

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