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„Faire Arbeit – Fairer Wettbewerb“ - Ausstellung in Köln eröffnet

„Faire Arbeit – Fairer Wettbewerb“ - Ausstellung in Köln eröffnet

Podiumsdiskussion bei der Ausstellungseröffnung in Köln
Podiumsdiskussion bei der Ausstellungseröffnung in Köln

„Faire Arbeit – Fairer Wettbewerb“ – unter diesem Motto macht die Wanderausstellung des NRW-Arbeitsministeriums jetzt im Rathaus Köln-Deutz am Willy-Brandt-Platz 2 Station. Eröffnet wurde sie am 12. November 2015 von der Kölner Wirtschaftsdezernentin Ute Berg, die die Bedeutung des Medienstandorts Köln als Beschäftigungsmotor herausstellte. Eine boomende Branche, die bei genauerer Betrachtung aber auch ihre Schattenseiten zeigt. Schlecht bezahlte Jobs, unsichere Arbeitsverträge, eine fehlende Altersabsicherung sind im Medienbereich keine Seltenheit. Die Landesinitiative „Faire Arbeit – Fairer Wettbewerb“, darauf wies NRW-Staatssekretär Dr. Wilhelm Schäffer hin, will deshalb genauer hinschauen auf die Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt, insbesondere bei den Themen „Leiharbeit“, „Minijobs“ und „Faire Löhne“. In der Ausstellung werden auf Bannern Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Unternehmerinnen und Unternehmer portraitiert, die von ihren persönlichen Erfahrungen mit der Gestaltung von fairen Arbeitsbedingungen berichten.

Die anschließende Talkrunde diskutierte über neue Herausforderungen in der Medienbranche und Kreativwirtschaft im Zeichen der Digitalisierung. „Der Multimedia-Reporter ist heute für das Bild, den Ton, den Schnitt zuständig und lädt den Beitrag selbst ins Netz. Diese Arbeiten wurden früher von mehreren Menschen erledigt, “ erläuterte Kurt Schumacher, Personalleiter des WDR, die Veränderungen im Sender. Nicht jeder beim WDR ist aber bereit, dieser Entwicklung zu folgen. Anders bei der Journalistenausbildung: hier ist eine trimediale Ausrichtung auf TV, Radio und Internet bereits Standard. Die steigenden Anforderungen, auch fair zu entlohnen, gehören zur Geschäftspolitik des WDR, verkleinern aber den zu verteilenden Kuchen, was gerade die freien Mitarbeiter zu spüren bekommen.

Prof. Michael Schwertel, Professor an der Cologne Business School und Inhaber der Cross Media Firma „Power Toons“ in Personalunion, sieht in der Digitalisierung der Medienwirtschaft Chancen für neue Arbeitskonzepte, die mit Qualität und nicht mit prekären Beschäftigungsbedingungen punkten.  „Kreativität und erfolgreicher Business Cases sind vereinbar“, so sein Credo. Dass es im Ausbildungsbereich von Kreativen durchaus zu Zielkonflikten kommen kann, beschrieb Jens Schillmöller von der Kunsthochschule für Medien in Köln. Anspruchsvolle Filmproduktionen der Studenten konnten bisher trotz Mini-Etats entstehen, weil die externen Akteure, also Schauspieler, Komparsen oder Ausstatter, für wenig Geld bzw. ehrenamtlich einsprangen. Mit dem gesetzlichen Mindestlohn, der, so die einhellige Meinung, sinnvoll ist und nicht zur Diskussion steht, verschärft sich die finanzielle Situation für die Hochschule. „Wenn der Bund Gesetze erlässt, die die finanzielle Situation einer öffentlichen Einrichtung verändern “, so die Einschätzung von NRW-Staatssekretär Dr. Wilhelm Schäffer, „müssen die Förderkonditionen nachverhandelt werden.“

„Beim Beruf des Schauspielers denkt man unweigerlich zunächst an die Stars, die über den roten Teppich schreiten. Wer aber auf dem roten Teppich und nicht am Set ist, ist gerade arbeitslos,“ beschrieb Heinrich Schafmeister, Schauspieler und Vorstand des Bundesverbands Schauspiel, die Situation, der nicht selten in prekären Verhältnissen lebenden Filmschaffenden: „Es geht um die Verstetigung unserer Sozialversicherungsverhältnisse“, so Heinrich Schafmeister.  Dass dieser schöne aber nicht weiterzuempfehlende Beruf an Strahlkraft eingebüßt hat, bestätigte auch Roswitha Stock, von der Agentur für Arbeit Köln: „`Irgendwas mit Medien` ist nicht mehr der Traumberuf.“ Die Gründe dafür sieht die Agenturchefin in den geringen Ausbildungskapazitäten, den kaum existenzsichernden Einkommensaussichten und den fast ausschließlich projektbezogenen Beschäftigungsverhältnissen.

„Die zentrale Herausforderung für „Arbeit 4.0“ in der Kreativ- und Medienwirtschaft, wie in anderen Branchen auch, ist die gemeinsame Gestaltung des Veränderungsprozesses“ ,brachte die Moderatorin der Talk-Runde und Chefredakteurin von Radio Köln, Claudia Schall, ihre Eindrücke des Podiums auf den Punkt. Eine Menge Fragen also für weitere Diskussionen: Wie sieht die Arbeitsplatzbilanz der Digitalisierung aus?  Wie wird auf der betrieblichen Ebene die Verteilung des Produktivitätsfortschritts ausgehandelt? Wie können Freelancer und Clickworker ihre Interessen organisieren?  Es bleibt spannend.

Die Ausstellung ist noch bis zum 26.11.15 im Kölner Rathaus zu sehen.

 

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