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Fall des Monats: Hotelreinigung – Unbezahlte Mehrarbeit und fristlose Kündigung

Fall des Monats: Hotelreinigung – Unbezahlte Mehrarbeit und fristlose Kündigung

Seit 2014 werden im Rahmen des Projektes "Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten!" Beschäftigte aus Osteuropa erfolgreich beraten. Bild: AuL NRW
Seit 2014 werden im Rahmen des Projektes "Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten!" Beschäftigte aus Osteuropa erfolgreich beraten. Bild: AuL NRW

Seit 2014 werden im Rahmen des Projektes „Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten!“ von „Arbeit und Leben NRW“ und des Projekts „Faire Mobilität“ vom DGB in NRW Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Osteuropa muttersprachlich beraten und bei der Durchsetzung gerechter Löhne und fairer Arbeits- und Lebensbedingungen unterstützt. Dazu sind Beratungsstellen in Dortmund, Düsseldorf und Rheda-Wiedenbrück eingerichtet.

Wir werden ab sofort an dieser Stelle Einzelschicksale aus der Beratungsarbeit der Projekte vorstellen. Die Fälle sind beispielhaft für die Praktiken vieler Unternehmen im Umgang mit Beschäftigten aus Osteuropa. Mit Unterstützung der Beratungsstellen und der zuständigen Einzelgewerkschaft konnte in den meisten Fällen den Beschäftigten geholfen werden, erfolgreich ihre Rechte geltend zu machen.

Fall des Monats: Hotelreinigung – Unbezahlte Mehrarbeit und fristlose Kündigung

Ende November erhielt die Beratungsstelle des Projektes „Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten“ in Dortmund einen Anruf, in dem eine Frau aus Bulgarien, die in Essen wohnt, um Hilfe und Rat bat, da sie sich von ihrem Arbeitgeber ungerecht behandelt fühlte. In einem persönlichen Gespräch am nächsten Tag wurden wichtige Hintergrundinformationen erörtert.

Die Frau hat Mitte September 2017 einen Vertrag mit einem Unternehmen in der Gebäudereinigungsbranche unterschrieben und wurde als Raumpflegerin in einem Hotel in Düsseldorf eingesetzt. Laut Vertrag musste sie 88 Stunden im Monat arbeiten, tatsächlich war sie aber täglich mindestens 6,5 Stunden beschäftigt (von 8 Uhr bis frühestens 14:30 Uhr), so dass sie im September schon viel mehr als vorgesehen gearbeitet hat. Die tägliche Stundenzahl variierte immer, je nach Anzahl der Zimmer, die ihr zugewiesen wurden (12, 14 oder 18), wobei eine Pause ihr oft unmöglich erschien, da sie viel zu tun hatte. Für 14 Arbeitstage im September hat die Ratsuchende 520 Euro brutto und 412,49 Netto erhalten.

Am 13.10. ging es der Frau nicht gut. Nachdem sie 14 Zimmer geputzt hatte, informierte sie ihre Vorgesetzte über den eigenen schlechten Gesundheitszustand. Die Antwort der Chefin war, sie möge noch drei Zimmer reinigen, sonst würde sie die Kündigung erhalten Eine Woche später, am 20.10., hat die Ratsuchende die Vorgesetzte erneut informiert, dass es ihr gar nicht gut geht. Die Vorgesetzte hat das ignoriert. Die Frau hat dann drei Zimmer vorbereitet, konnte es aber nicht mehr aushalten, hat der Chefin „krank“ gesagt und ist nach Hause gegangen. Sie ging danach zum Arzt und wurde bis zum 03.11. krankgeschrieben.

Am 03.11. bekam die Ratsuchende ein „Kündigungsschreiben“ von ihrem Arbeitgeber, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass der Arbeitgeber ihre mündlich ausgesprochene Kündigung vom 20.10. annimmt. Von einer Kündigung hat die Ratsuchende aber nie gesprochen. Danach hat sie von ihrem Arbeitgeber für die im Oktober geleisteten Stunden noch 357,25 Euro netto überwiesen bekommen, jedoch keine Lohnabrechnung erhalten.

Die Frau ist finanziell in eine äußerst prekäre finanzielle Situation geraten und wird seit Ende November bei ihren Kontakten und Gängen zum Jobcenter, zur Krankenkasse und zum Arbeitsgericht von der Beratungsstelle unterstützt. Ebenfalls mithilfe der Beratungsstelle hat sie mittlerweile einen Antrag auf Feststellung des Arbeitsverhältnisses gestellt und wartet auf die Entscheidung des Arbeitsgerichts. Es wird auch an einer Lösung gearbeitet, dass die offenen Beträge für die geleistete Mehrarbeit vom alten Arbeitgeber beglichen werden. Inzwischen hat sie einen neuen Job in einem Altenheim gefunden.

 

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