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Fall des Monats - Logistik-Branche: Rumänischer Fahrer wird um den Lohn betrogen!

Fall des Monats - Logistik-Branche: Rumänischer Fahrer wird um den Lohn betrogen!

Die Beratungsstellen "Faire Mobilität" und "Arbeitnehmerfreizügigkeit in NRW fair gestalten!" unterstützen Beschäftigte aus Osteuropa bei der Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten. Bild: AuL NRW
Die Beratungsstellen "Faire Mobilität" und "Arbeitnehmerfreizügigkeit in NRW fair gestalten!" beraten im zweiten Halbjahr 2017 gezielt Fahrer aus Osteuropa in der Transportbranche. Bild: S. Sepsi

Seit 2014 werden im Rahmen des Projektes „Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten!“ von „Arbeit und Leben NRW“ und des Projekts „Faire Mobilität“ vom DGB in NRW Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Osteuropa muttersprachlich beraten und bei der Durchsetzung gerechter Löhne und fairer Arbeits- und Lebensbedingungen unterstützt. Dazu sind Beratungsstellen in Dortmund, Düsseldorf und Rheda-Wiedenbrück eingerichtet.

Wir werden ab sofort an dieser Stelle Einzelschicksale aus der Beratungsarbeit der Projekte vorstellen. Die Fälle sind beispielhaft für die Praktiken vieler Unternehmen im Umgang mit Beschäftigten aus Osteuropa. Mit Unterstützung der Beratungsstellen und der zuständigen Einzelgewerkschaft konnte in den meisten Fällen den Beschäftigten geholfen werden, erfolgreich ihre Rechte geltend zu machen.

Fall des Monats - Logistik-Branche: Rumänischer Fahrer wird um den Lohn betrogen!

Anfang Juli 2017 wurde die Beratungsstelle des Projektes „Arbeitnehmerfreizügigkeit in NRW fair gestalten!“ in Dortmund von den Sozialarbeitern der Diakonie Essen kontaktiert, um einen Beratungstermin per Telefon mit einem rumänisch sprechenden Mann aus Essen zu vereinbaren.

Während des Gesprächs berichtete der Ratsuchende folgende Situation, in der er sich betrogen und ausgebeutet gefüllt hat:

Er hat im März 2017 einen Job in der Logistikbranche in einem Depot der Firma DPD in Essen gefunden. Es handelte sich um einen Minijob bei einem Subunternehmer aus Witten, der im Auftrag von DPD Pakete einsortierte, belud und sogar zum End-Kunden transportierte. Der Mann aus Rumänien wurde zunächst in der Logistik drei Stunden täglich von Dienstag bis Samstag eingesetzt. Es wurde ihm in Aufsicht gestellt, dass er zu einem späteren Zeitpunkt als Fahrer eingesetzt wird und dementsprechend eine Vollzeit Stelle erhält. Insgesamt arbeitete er in seinem Minijob ca. 33 Std. im März und ca. 36 Std. bis Mitte April. Für die 33 Std. im März hat er 200 € in bar erhalten, obwohl er nach dem gesetzlichen Mindestlohn mindestens 291 € bekommen müsste.

Mitte April (16.04) wurde er von einem weiteren Vorarbeiter im DPD-Lager gefragt, ob er nicht ab sofort als Fahrer in Vollzeit arbeiten möchte. Er dachte, dass der Vorarbeiter im Auftrag seines Arbeitgebers spricht und dass sein Wunsch nach einer Vollzeitstelle endlich wahr wird. Dementsprechend hat er angefangen, als Fahrer zu arbeiten und auch fleißig Überstunden zu leisten, um alle ihm anvertrauten Pakete abliefern zu können. Er arbeitete zunächst 5 Tage von 5:30 bis ca. 20 Uhr.

In der darauf folgenden Woche wurde er von seinem Arbeitgeber beschuldigt, nicht mehr zu Arbeit erschienen zu sein. Ihm wurde mündlich gekündigt. Erst jetzt verstand der rumänische Fahrer seinen Fehler: der Mann, der ihm den Job als Fahrer angeboten hatte, arbeitete nicht für das gleiche Subunternehmen wie er. Er wurde auf diese Weise nicht nur um seinen Lohn für April betrogen, weil sein offizieller Arbeitgeber die 36 bereits geleisteten Arbeitsstunden quasi als Strafe nicht mehr bezahlen wollte. Auch für die 5 Tage, die er bei dem anderen Subunternehmer von DPD gearbeitet hatte, erhielt er keinen Lohn. Insgesamt arbeitete er also im April 36 Std. (in der Paketlogistik im Lager von DPD) und ca. 70 Std. als Fahrer, ohne einen Cent dafür zu bekommen.

Weil er außer seinem Arbeitsvertrag für den Minijob keine weiteren Unterlagen hat, die die geleisteten Arbeitsstunden belegen, ist es zunächst sehr schwierig zu beweisen, dass ihm tatsächlich eine Bezahlung für all die geleisteten Stunden zusteht. Mit Hilfe der Beratungsstelle wird zurzeit an einer außergerichtlichen Lösung gearbeitet, damit er zumindest einen Teil seiner Lohnansprüche sichern kann. Inzwischen hat der Mann einen neuen Job als Zeitungs- und Prospektzulieferer gefunden.

 

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