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Fleischindustrie - Ausbeutung über Briefkastenfirmen

Fleischindustrie - Ausbeutung über Briefkastenfirmen

Der Report, den der DGB heute veröffentlicht hat, deckt auf, wie Briefkastenfirmen und ähnliche Konstrukte genutzt werden, um Sozial- und Arbeitsstandards für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus anderen EU-Staaten zu umgehen.

Seit Jahren, so der EGB-Report, lasse sich der Trend beobachten, dass europäische Fleischunternehmen große Teile ihres Geschäfts nach Deutschland verlagerten – weil sich dort die Lohnkosten für osteuropäische Arbeitnehmer besonders gering halten ließen. Innerhalb von zehn Jahren sei Deutschland so vom Netto-Importeur von Fleisch zum Netto-Exporteur von Fleisch geworden.

Trotz Mindestlohn und Tarifverträge gibt es offensichtlich immer wieder neue Wege, um Beschäftigte aus Osteuropa in der deutschen Fleischindustrie auszubeuten. Ein zentrales Instrument sind dabei sog. Briefkastenfirmen. Dabei vergeben deutsche Unternehmen Werkverträge an Subunternehmen, die bei genauerer Hinsicht reine Briefkastenfirmen sind, die meist im osteuropäishen Ausland registriert sind.

Im EGB-Report ist die Rede von "kriminellen Netzwerken, die nicht nur gegen Sozialstandards verstoßen, sondern auch Steuerbetrug und Arbeitsrechtsverletzungen begehen".

Die Vorteile, die das für die beteiligten Unternehmen hat, sind zugleich klare Nachteile für die entsandten Beschäftigten und die Allgemeinheit:

  • Sozialleistungen werden oft nach den Standards des offiziell "entsendenden" Landes gezahlt und liegen damit oft unter den deutschen Standards.
  • Steuern werden oft im "entsendenden" Land abgeführt. Weil die grenzüberschreitende Information und Zusammenarbeit der Steuerbehörden nicht immer funktioniert, ist das laut EGB-Report regelmäßig ein Einfallstor für Steuerbetrug.
  • Mindestlöhne werden zwar auf dem Papier gezahlt. Aufgrund fehlender Kontrollen kommt es aber regelmäßig zu unbezahlten Überstunden und illegalen Abstrichen bei den Netto-Löhnen der entsandten Arbeitnehmer – unterm Strich liegt die Bezahlung so oft unter dem Mindestlohn-Niveau.

Den vollständigen Report mit den konkreten Recherchebeispielen finden Sie hier.

 

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