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Fleischindustrie - Handlungsbedarf ist immer noch riesig!

Fleischindustrie - Handlungsbedarf ist immer noch riesig!

Auf einer internationalen Konferenz in Rheda-Wiedenbrück (NRW) hat die Gewerkschaft NGG am Mittwoch gemeinsam mit 90 Betriebsräten, Vertretern von Gewerkschaften europäischer Nachbarländer, Politikern und Arbeitgebern die Situation in der deutschen und europäischen Fleischindustrie analysiert.

Der stellvertretende NGG-Vorsitzende, Claus-Harald Güster, fand dabei deutliche Worte und bezeichnete das System der Werkverträge als "ein Krebsgeschwür, das beseitigt werden muss."

Einiges in der Fleischwirtschaft, insbesondere in der Schlachtung und Zerlegung, sei erreicht worden:

Der seit zwei Jahren geltende Branchenmindestlohn sei eine untere Haltelinie. Die freiwillige Selbstverpflichtung der großen Unternehmen mit dem Ergebnis, dass auch Werkvertragsbeschäftigte nach deutschem Recht sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, sei ein Schritt in die richtige Richtung, so Güster.

„Der Handlungsbedarf ist allerdings immer noch riesig. Fleisch ist in Deutschland verramschte Massenware. Möglich ist dies, weil das Hauptproblem, die Arbeit in Subunternehmen mit Werkverträgen und Leiharbeit, kein Schlachtbetrieb – mit Ausnahme von Westfleisch – gelöst hat. Immer noch arbeiten mehr als die Hälfte der Belegschaften in Kernprozessen der Produktion als Leiharbeiter, aber insbesondere mit Werkverträgen in einem System von Sub- und Subsub-Unternehmen. Sie werden in prekärer Beschäftigung ausgebeutet, die Mitbestimmung ist ausgehebelt.“

Die Gewerkschaft NGG biete den Unternehmen – analog Westfleisch – an, die Erhöhung
der Stammbelegschaften um jährlich zehn Prozent tarifvertraglich zu regeln.

„Dies wäre ein Weg, um aus dem System der prekären Beschäftigung auszusteigen und den Menschen im Sinne von guter Arbeit Perspektiven zu bieten. Schließen Sie mit der NGGTarifverträge ab. Nur Tarifverträge bieten verlässliche Standards und sind verbindlich. Der Lackmustest, ob die Unternehmen der Fleischwirtschaft ihrer sozialpolitischen Verantwortung gerecht werden, wird im Sommer 2017 sein, wenn der Tarifvertrag für den Branchenmindestlohn Fleisch zur Verhandlung auf der Agenda steht“, so der NGG-Vize.

"Weiter Druck machen!"

Roland Matzdorf vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales in Nordrhein-Westfalen warf in seinem Beitrag unter anderem die Frage auf, warum das Thema der schlechten Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie nicht in der breiten Öffentlichkeit diskutiert werde. An die Gewerkschaft NGG gewandt, forderte er auf, "weiter Druck zu machen."

"Deutschland, Billigheimer in Europa"

Wie Jim Jensen von der dänischen Gewerkschaft NNF verwiesen auch Gewerkschaftsvertreter aus Italien und Frankreich auf die deutlichen Auswirkungen des deutschen Sozialdumpings auf den Arbeitsmarkt in ihrer Heimat. Harald Wiedenhofer, Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsverbunds EFFAT, stellte klar, dass Deutschland immer noch "der Billigheimer in Europa" ist, der durch "unfairen Wettbewerb und Ausbeutung ausländischer Arbeitnehmer den europäischen Fleischmarkt durcheinander gebracht hat."

Einen Bericht von der Veranstaltung in der WDR-Lokalzeit finden Sie hier.

 

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