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IAQ Niedriglohnreport 2016 – Trotz Mindestlohn weiterhin hoher Anteil von Beschäftigten mit Niedriglöhnen

IAQ Niedriglohnreport 2016 – Trotz Mindestlohn weiterhin hoher Anteil von Beschäftigten mit Niedriglöhnen

Trotz Mindestlohn arbeitet fast ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland im Niedriglohnsektor. Bild: Michel Koczy
Trotz Mindestlohn arbeitet fast ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland im Niedriglohnsektor. Bild: Michel Koczy

Im neuesten Niedriglohnreport des Institutes für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen IAQ-Report werden die bisherigen Auswertungen zur Entwicklung und Struktur der Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland aktualisiert. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob und wie sich der Umfang des Niedriglohnsektors im Jahr 2016 verändert hat und welche Beschäftigtengruppen, Arbeitsplätze sowie Branchen besonders von Niedriglöhnen betroffen waren.

Darüber hinaus gehen die Forscher*innen auch der Frage nach, wie sich die Stundenlöhne im unteren Bereich der Lohnverteilung nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2016 entwickelt haben.

Die wesentlichen Ergebnisse der Untersuchung sind:

  • Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland hat in den Jahren 2015 und 2016 zu deutlichen Steigerungen der durchschnittlichen Stundenlöhne am unteren Rand des Lohnspektrums geführt.
  • Der durchschnittliche Stundenlohn im Niedriglohnsektor erreichte im Jahr 2016 knapp 77% der Niedriglohnschwelle und damit immerhin fast vier Prozentpunkte mehr als 2014 (73%).
  • Trotz dieser Lohnerhöhungen stagniert der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten auf einem im Vergleich der EU-Länder besonders hohen Niveau: 22,7% aller abhängig Beschäftigten in Deutschland arbeiteten im Jahr 2016 für einen Niedriglohn.
  • Die Niedriglohnschwelle (berechnet auf Basis der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit) hat sich in den letzten drei Jahren von 9,60 € pro Stunde im Jahr 2013 auf 10,44 € im Jahr 2016 erhöht.
  • Die internationale Forschung legt nahe, dass zur Begrenzung des Anteils von Niedriglöhnen nicht nur ein gesetzlicher Mindestlohn, sondern vor allem auch eine hohe Tarifbindung wichtig ist.

Vor diesem Hintergrund war die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland im Januar 2015 in das so genannte „Tarifautonomiestärkungsgesetz“ eingebettet, das darauf abzielte, die Tarifbindung in Deutschland zu erhöhen. Bislang ist dies jedoch nicht gelungen. Im Gegenteil: Der Anteil der Beschäftigten in tarifgebundenen Unternehmen hat sich im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr von 59% auf 57% in Westdeutschland und von 47% auf 44% in Ostdeutschland weiter verringert.

Nur im Gastgewerbe in Nordrhein-Westfalen (2015) und in Bremen (2018) sind Anträge auf Allgemeinverbindlicherklärungen (AVE) erfolgreich gewesen. In NRW gilt die AVE für die untersten drei tariflichen Lohngruppen, während es in Bremen sogar gelungen ist, das gesamte Tarifgitter für allgemeinverbindlich zu erklären.

Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist außerdem vereinbart worden, einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag für die Pflegebranche einzuführen. Dies könnte ein erster wichtiger Schritt zur Stärkung der Tarifbindung in Deutschland sein. Allerdings wird derzeit noch darüber gestritten, ob und wie dies tatsächlich umgesetzt werden könnte.

Datengrundlage der IAQ Berechnungen ist das sozio-ökonomische Panel (SOEP), das anders als z.B. Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) – auch die Einbeziehung von Teilzeitbeschäftigten und Minijobber/innen erlaubt, die überproportional häufig von niedrigen Stundenlöhnen betroffen sind. Zur Bestimmung des Umfangs der Niedriglohnbeschäftigung verwenden wir gemäß der OECD-Definition eine Niedriglohnschwelle von zwei Dritteln des mittleren Stundenlohns (Median) für Deutschland insgesamt.

Den vollständigen Report finden Sie hier.

Quelle: IAQ 14.11.18

 

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