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Leiharbeit auf neuem Höchststand

Leiharbeit auf neuem Höchststand

Die Metall- und Elektroindustrie beschäftigt die meisten Leiharbeiter. Bild: Joe Kramer
Die Metall- und Elektroindustrie beschäftigt die meisten Leiharbeiter. Bild: Joe Kramer

Die Zahl der Leiharbeiter erreicht in Deutschland einen neuen Höchststand. 2015 waren insgesamt 961.000 Menschen als Leiharbeiter beschäftigt, mehr als je zuvor. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, berichtet der "Spiegel" in seiner gestrigen Ausgabe.

Leiharbeiter verdienen weniger

Die Zahl der Leih- und Zeitarbeiter war 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 50.000 angestiegen. In den Jahren davor schwankten die Zahlen zwischen 610.000 und 910.000. Das mittlere Bruttogehalt von Leiharbeitnehmern lag nach den jüngsten Zahlen bei 1700 Euro - und somit deutlich unter dem Gehalt anderer Beschäftigter. "Im Vergleich dazu lag das Medianentgelt bei allen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten bei 2.960 Euro", so die Regierung.

Fast zwei von drei Leiharbeitern arbeiteten zuletzt zu besonders niedrigen Löhnen. Sie lagen unter der Niedriglohnschwelle von rund 1970 Euro, also unter dem Lohn, der zwei Drittel des mittleren Gehalts der Beschäftigten insgesamt beträgt. 5,7 Prozent der Leiharbeitnehmer haben Anspruch auf ergänzende Leistungen und stocken ihr Gehalt mit Hartz IV auf. Nur jedes vierte Leiharbeitsverhältnis besteht neun Monate oder länger. 15 Prozent dauern 15 Monate, 12 Prozent über 18 Monate.

Schwerpunkt Metall- und Elektroindustrie

Verbreitet ist Leiharbeit vor allem im Maschinen- und Fahrzeugbau. Insgesamt beschäftigte die Metall- und Elektroindustrie mit 36 Prozent die meisten Leiharbeitskräfte gemessen an allen Leiharbeitern. Allein im Maschinenbau sind 11 Prozent aller Leiharbeiter beschäftigt, im Fahrzeugbau 10 Prozent.

Voraussichtlich noch im September wird der Bundestag den vorliegenden Gesetzentwurf des Bundesarbeitsministeriums zur Reform von Leiharbeit und Werkverträgen debattieren. Der Entwurf sieht vor, dass Leih- oder Zeitarbeitnehmer künftig nach neun Monaten genauso wie die Stammbelegschaften bezahlt werden. Sie sollen längstens 18 Monate in demselben Betrieb arbeiten dürfen, ohne von diesem übernommen zu werden. Abweichungen per Tarifvertrag sollen möglich bleiben, auch für nicht tarifgebundene Unternehmen der betreffenden Branche.

Kritiker halten den Gesetzentwurf für nicht geeignet, die Situation von Leiharbeitern nachhaltig zu verbessern. Auch die NRW Landesregierung hatte schon 2014 auf Basis eines arbeitsrechtlichen Gutachtens deutlich weitergehende Reformvorschläge vorgelegt, die im Gesetzentwurf keine Berücksichtigung gefunden haben.

IAB untersucht Brückeneffekte der Zeitarbeit für Ausländer

Auch der Anteil der Ausländer in der Zeitarbeitsbranche ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen und war 2015 mit 25 Prozent überdurchschnittlich hoch.
In einer aktuellen Studie untersucht das IAB die Brückeneffekte der Zeitarbeit vor allem für ausländische Beschäftigte. Dabei kommen die Forscher zu der Einschätzung, dass der Sprungbretteffekt der Zeitarbeit für die meisten Ausländergruppen ausgeprägter ist als für die deutschen Beschäftigten.
 
Den vollständigen IAB-Bericht finden Sie hier.
 

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