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Leiharbeit: Trotz guter Qualifikation arbeitet die Mehrheit nur in Hilfsjobs!

Leiharbeit: Trotz guter Qualifikation arbeitet die Mehrheit nur in Hilfsjobs!

Trotz guter Qualifikation arbeitet die Mehrheit der Leiharbeitnehmer/innen in Hilfsjobs. Bild: Joe Kramer
Trotz guter Qualifikation arbeitet die Mehrheit der Leiharbeitnehmer/innen in Hilfsjobs. Bild: Joe Kramer

Eine aktuelle Untersuchung des Institutes für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen IAQ) befasst sich mit den beruflichen Qualifikationen und dem Anforderungsniveau der ausgeübtenTätigkeiten von Leiharbeiter/innen in West- und Ostdeutschland. Basierend auf den Daten der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit kommen die Forscherinnen und Forscher zu den folgenden Ergebnissen:

  • Im Jahr 2016 befanden sich erstmals mehr als 1 Mio. Menschen in einem Leiharbeitsverhältnis, die Mehrheit war sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im September 2016 traf dies auf knapp 870.000 Leiharbeiter/innen zu, davon etwa 700.000 in Westdeutschland. Allerdings lassen sich im Vergleich zur Gesamtwirtschaft deutliche Unterschiede im Qualifikations- und Tätigkeitsniveau feststellen.
  • Während von den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der gesamten Wirtschaft lediglich knapp 15 % in West- und Ostdeutschland einer Anlern- oder Helfertätigkeit nachgehen, betrifft dies fast viermal so viele Zeitarbeiter/innen (58,4 % in Westdeutschland; 56,2% in Ostdeutschland). Facharbeiterstellen, die mindestens das Niveau eines beruflichen Bildungsabschlusses voraussetzen, werden deutschlandweit gerade einmal von etwas mehr als einem Drittel der Leiharbeiter/innen ausgeübt. Demgegenüber stellt diese Tätigkeitsform für knapp 60 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Ost- und Westdeutschland das überwiegende Anforderungsniveau dar.
  • Gleichzeitig stellen Erwerbstätige mit einem beruflichen Bildungsabschluss in der Zeitarbeit immer noch die Mehrheit (65,5 % im Westen; 72 % im Osten). Allerdings sind Personen ohne beruflichen Bildungsabschluss in der Leiharbeit in Westdeutschland mit 26,9 % deutlich häufiger vertreten als bei den westdeutschen Beschäftigten insgesamt (13,4 %). Auffällig ist jedoch, dass lediglich 12 % der ostdeutschen Leiharbeiter/innen über keinen beruflichen Bildungsabschluss verfügen und damit kaum mehr als bei allen ostdeutschen Beschäftigten (7,9 %).
  • Daraus wird ersichtlich, dass es in der Zeitarbeit eine deutliche Diskrepanz zwischen der formalen Qualifikation der Beschäftigten und dem Anforderungsniveau der ausgeübten Tätigkeit gibt, die im Osten erkennbar stärker ausgeprägt ist als im Westen. Dieses Missverhältnis kann unter anderem dadurch erklärt werden, dass rund zwei Drittel aller Leiharbeiter/innen vor ihrer Tätigkeit arbeitslos gewesen sind und etwa  ein Drittel der vermittelten Arbeitslosen eine Zeitarbeitsstelle annehmen. Diese hohe Vermittlungsrate kommt zustande, weil es zahlreiche Kooperationsformen zwischen Zeitarbeitsfirmen und lokalen Arbeitsagenturen und Jobcentern gibt. Bei der Mehrzahl der gemeldeten Leiharbeitsstellen handelt es sich allerdings lediglich um Anlern- und Helfertätigkeiten. Ein wesentlicher Teil der qualifizierten Arbeitslosen nimmt diese einfachen Tätigkeiten vermutlich nur auf,weil sie von den Arbeitsagenturen dazu gedrängt werden. Auch die Hoffnung auf positive Beschäftigungssignale oder einen Übergang in eine andere Beschäftigung dürften eine Rolle spielen.
  • Dabei laufen die Beschäftigten Gefahr, dass sie ihre bisherigen Qualifikationen entwerten, weil sie ihre erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten nicht nutzen können. Hinzu kommt, dass ihnen vielfach berufliche Entwicklungsmöglichkeiten verwehrt bleiben, da Verleihbetriebe kaum ein Interesse an betrieblicher Weiterbildung für die Beschäftigten haben. Damit verschärft sich das Risiko, dass Leiharbeiter/innen nur äußert selten den Übergang in ein normales Beschäftigungsverhältnis schaffen können

Die Infographik mit den Erläuterungen zur Untersuchung  finden Sie hier.

Quelle: IAQ Juni 2017

 

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