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Minister Schmeltzer: Ein fairer Umgang mit Leiharbeit und Werkverträgen ist möglich

Minister Schmeltzer: Ein fairer Umgang mit Leiharbeit und Werkverträgen ist möglich

Arbeitsminister Rainer Schmeltzer (5.v.l.) besuchte zum Thema faire Leiharbeit das Unternehmen ThyssenKrupp in Duisburg Foto: thyssenkrupp
Arbeitsminister Rainer Schmeltzer (5.v.l.) besuchte zum Thema faire Leiharbeit das Unternehmen ThyssenKrupp in Duisburg Foto: ThyssenKrupp

In Nordrhein-Westfalen sind rund 230.000 Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter in verschiedensten Branchen und Unternehmen tätig. An Leiharbeit und Werkverträgen ist zunächst nichts auszusetzen, wenn sie ihrem ursprünglichen Zweck dienen und nicht benutzt werden, um Lohndumping zu betreiben und Arbeitnehmerrechte zu umgehen. „Nicht immer, aber oft sind diese Beschäftigungsverhältnisse unsicher und schlecht bezahlt“, sagte Arbeitsminister Rainer Schmeltzer. „Dass es auch anders geht und ein fairer Umgang mit Leiharbeit und Werkverträgen möglich ist, zeigt das im Jahr 1995 von der Landesregierung gemeinsam mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und anderen Partnern gegründete Zeitarbeitsunternehmen START NRW.“

Anlässlich eines Besuchs bei ThyssenKrupp in Duisburg am Freitag, den 03. März 2017, würdigte Schmeltzer, die seit 1996 erfolgreiche Zusammenarbeit des Unternehmens mit START NRW. „Viele Leiharbeitnehmerinnen und -nehmer haben dadurch eine Chance auf Festanstellung erhalten. Dies zeigt, dass ein fairer Umgang mit Leiharbeit und Werkverträgen möglich ist. Andere Betriebe sollten diesem guten Beispiel folgen. Schließlich geht es auch um die Sicherung des Fachkräftebedarfs.“

Faire Arbeit und faire Wettbewerbsbedingungen seien gerade für den Stahlstandort Nordrhein-Westfalen von herausragender Bedeutung, betonte Schmeltzer. „Stahl ist nach wie vor ein Zukunftsfaktor. Ohne die heimische Stahlindustrie wären auch unser Maschinenbau und die Fahrzeugtechnik nicht das, was sie heute sind“, so der Arbeitsminister.

Seit Beginn der Zusammenarbeit mit START NRW hat die Stahlsparte von ThyssenKrupp zahlreiche Leiharbeitnehmerinnen und -nehmer in reguläre Beschäftigung übernommen. In den vergangenen Jahren war dies über ein Drittel der eingesetzten Beschäftigten. Hierzu zählen auch Kathrin Heina (27) und Nihat Asen (30), die als Zeitarbeitnehmende von START NRW zu ThyssenKrupp Steel kamen. Zwei Jahre nach Beginn ihres Einsatzes wurden die Lokrangierführerin und der Lokrangierführer von ThyssenKrupp übernommen und zählen nun zur festen Belegschaft des Unternehmens.

Wilhelm Oberste-Beulmann, vorsitzender Geschäftsführer von START NRW, betonte, dass auch die übrigen zwei Drittel der Zeitarbeitnehmenden einen anderweitigen Einsatz  vermittelt bekamen oder über Qualifizierungsmaßnahmen weitergebildet wurden. START NRW verfolgt das Ziel, Arbeitslose – insbesondere Menschen mit Vermittlungshemmnissen – über die Arbeitnehmerüberlassung dauerhaft in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das Zeitarbeitsunternehmen bietet faire Arbeitsbedingungen, setzt auf Qualifizierung der Zeitarbeitnehmerinnen und -nehmer, führt zahlreiche Arbeitsmarktprojekte durch und schafft zusätzliche Ausbildungsplätze durch partnerschaftliche Berufsausbildung.  

Ein Konzept, das auch bei den Gewerkschaften Anerkennung findet. Knut Giesler, NRW-Vorsitzender der IG Metall, betonte, dass START NRW zeige, dass Leiharbeit zu fairen und tariflichen Arbeitsbedingungen sehr gut funktioniere.

Dafür, dass bei ThyssenKrupp faire Arbeitsbedingungen für die eigenen und auch die fremden Beschäftigten gelten, sorgt eine enge Zusammenarbeit des Unternehmens mit dem Betriebsrat im Ausschuss „Eigen / Fremd“ und eine genaue Kontrolle der Partnerfirmen durch das 2014 gestartete Nachunternehmermanagement so Thomas Schlenz, Arbeitsdirektor von ThyssenKrupp Steel. Das Unternehmen arbeitet mit rund 3.000 Partnerfirmen zusammen. Täglich befinden sich 1.500 Beschäftigte von Partnerfirmen auf dem Werksgelände. Gesetzes- und Rechtsverstöße durch die Partnerfirmen (z.B. auch die Behinderung von Betriebsratsarbeit) seien ein absolutes No-Go für das Unternehmen und führen dazu, dass „aus Partnerfirmen wieder Fremdfirmen werden“, indem ThyssenKrupp jegliche Aufträge entzieht. Um  für geltende Vorschriften und Gesetze zu sensibilisieren und die Umsetzung des Nachunternehmermanagements nachhaltig zu festigen, wurden bei ThyssenKrupp bereits 1.500 Führungskräfte geschult.

Ein START-Zeitarbeitnehmer, der noch an ThyssenKrupp Steel überlassen wird, ist Stefan Dobrzinski (38). Er hat 2016 bei START NRW als Lokführer angefangen und ist seit November 2016 bei ThyssenKrupp eingesetzt. Zuvor war er ein Jahr arbeitslos und konnte über START NRW den Weg zurück in die Beschäftigung finden.

Das zum 01. April 2017 in Kraft tretende novellierte Arbeitnehmerüberlassungsgesetz ist laut Minister Schmeltzer und Knut Giesler ein erster Schritt in die richtige Richtung, um Leiharbeitsbeschäftigte und Werkvertragsnehmer übergreifend und besser vor Ausbeutung zu schützen. Zwar hätte sich die Landesregierung Nordrhein-Westfalens schärfere Regelungen vorstellen können, so Minister Schmeltzer. Die Umsetzung des novellierten Gesetzes werde daher genau beobachte, im Zweifel werden Nachbesserungen eingefordert. In NRW existieren mit der Hotline „Zeitarbeit und Werkvertrag“ Strukturen, über die die Landesregierung direkt von den Beschäftigten erfahren kann, wie das Gesetz umgesetzt wird und wie es wirkt.

START NRW wurde 1995 durch das Land Nordrhein-Westfalen, den Arbeitgeberverband Stahl, den Nordrhein-Westfälischen Handwerkstag, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände und kommunale Spitzenverbände gegründet. Das Unternehmen ist an 28 Standorten in Nordrhein-Westfalen vertreten. Insgesamt sind bei Start NRW 180 interne und knapp 2.500 Zeitarbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer sowie rund 300 Auszubildende beschäftigt.

 

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