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Tarifbindung ist weiter rückläufig

Tarifbindung ist weiter rückläufig

Tarifbindung in Westdeutschland und in NRW
Tarifbindung in Westdeutschland und in NRW

Seit 1996 werden mit dem IAB Betriebspanel jährlich Informationen zur Tarifbindung und zur Existenz von Betriebsräten für West- und Ostdeutschland erhoben. Die Untersuchungsergebnisse für das Jahr 2015 zeigen, dass die Tarifbindung in beiden Landesteilen weiter rückläufig ist.

So arbeiten im Jahr 2015 hochgerechnet rund 51 % der westdeutschen und etwa 37 % der ostdeutschen Beschäftigten in einem Betrieb, der einem Branchentarifvertrag unterliegt. Firmentarifverträge gelten für 8 % der westdeutschen und 12 % der ostdeutschen Beschäftigten. Für rund 41 % der westdeutschen und 51 % der ostdeutschen Arbeitnehmer gibt es keinen Tarifvertrag.  Die Hälfte von ihnen wird in Westdeutschland indirekt von Tarifverträgen erfasst, da sich ihre Betriebe nach eigenen Angaben an tariflichen Standards orientieren. In Ostdeutschland ist die Zahl mit 44 % deutlich niedriger.

Bei den westdeutschen Bundesländern weisen NRW und Rheinland-Pfalz die besten Werte auf. So arbeiten in NRW 56 % der Beschäftigten in einem Betrieb, der einem Branchentarif unterliegt, für 7 % der Beschäftigten in NRW gilt ein Haustarif (Rheinland-Pfalz 57 %/ 6 %).

Auch die NRW Werte sind leicht rückläufig. 2014 lag die Gesamttarifbindung noch bei 65 %. Im Vergleich dazu lag die Tarifbindung vor fünfzehn Jahren 2001 in NRW noch bei 75 %.Traditionell liegt die Tarifbindung in NRW über dem Bundesdurchschnitt. Branchen wie die Energie- und Bauwirtschaft haben historisch einen sehr hohen Grad an Tarifbindung.

NRW ist das Land der Tarifverträge. Aber auch in NRW gilt: Knapp zwei Drittel der Betriebe sind nicht mehr tarifgebunden. Im Jahr 2015 waren es nur noch 36 % der Betriebe in Nordrhein-Westfalen, die durch einen Flächen- oder Firmentarifvertrag tariflich gebunden sind.

Deshalb unterstützt das Land NRW im Rahmen der Initiative „Faire Arbeit – Fairer Wettbewerb“ Anstrengungen, die Zahl der Betriebe mit Tarifbindung in NRW wieder zu erhöhen und mehr Tarifverträge für allgemeinverbindlich zu erklären. Für Arbeitsminister Rainer Schmeltzer ist „Tarifbindung eine Frage der Gerechtigkeit. Ohne Tarifvertrag verdienen Beschäftigte oft weniger als mit. Es ist eine der großen Herausforderungen, die Tarifvertragslandschaft in NRW und Deutschland zu erhalten. Wir als Landesregierung setzen uns gegen den Missbrauch von Befristungen und Werkverträgen, Leiharbeit, Soloselbstständigkeit und Mini-Jobs  und für Mitbestimmung und Tarifverträge ein. Nur so können wir langfristig Sicherheit für die Beschäftigten, gute und faire Arbeit, angemessene Bezahlung und somit Ordnung auf dem Arbeitsmarkt schaffen. Dafür brauchen wir aber auch starke Sozialpartner wie Gewerkschaften und Unternehmen an unserer Seite. In NRW sind wir da auf einem guten Weg!"

„Die Tarifautonomie hat unser Land stark gemacht: wirtschaftlich und sozial. Arbeitgeber und Gewerkschaften handeln die wesentlichen Arbeitsbedingungen aus. Der Staat hält sich raus.  Das ist unbürokratisch und demokratisch. Tarifverträge gibt es in über 125 Branchen in NRW von A wie Abwrackgewerbe bis Z wie Zuckerindustrie:

  • Sie sichern faire Arbeitsbedingungen in der Branche.
  • Sie schützen Unternehmen und Beschäftigte vor einem Wettbewerb über die Lohnkosten.
  • Sie ermöglichen ein Aushandeln der Arbeitsbedingungen auf Augenhöhe!

Wir brauchen wieder mehr Einsatz für Tarifverträge!" (Anja Weber, NRW Landesschlichterin)

 

 

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