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Tariforientierte Betriebe: Weit unter Tariflohn

Tariforientierte Betriebe: Weit unter Tariflohn

In tariforientierten Betrieben wird häufig weit unter Tariflohn bezahlt! Bild: Joe Kramer
In tariforientierten Betrieben wird häufig weit unter Tariflohn bezahlt! Bild: Joe Kramer

Eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (ifm) zu Tariforientierung zeigt, dass Löhne und Gehälter in sogenannten tariforientierten Betrieben weit unter der Bezahlung in tarifgebundenen Betrieben liegen.

Um 24,6 Prozent liegen die Löhne und Gehälter in tariforientierten Betrieben unter denen in tarifgebundenen Betrieben. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim.

Unter tariforientierten Betrieben versteht man Betriebe, die nicht in Unternehmerverbänden organisiert sind, deshalb formal nicht an Tarifverträge gebunden sind, aber angeben, sich an entsprechenden Tarifverträgen zu orientieren.

„Der 25%ige Unterschied in der Bezahlung erstaunt, da 19% dieser Betriebe angeben, besser als Tarif zu bezahlen und 77% die Bezahlung in ihren Betrieben als vergleichbar mit dem Tarif erachten“, erklärt Stefan Berwing, der die Studie durchgeführt hat.

„Betrachtet man jedoch tarifferne Betriebe als Referenzgröße, also Betriebe, die weder an Tarife gebunden sind, noch sich daran orientieren, dann liegt der Bezahlungsunterschied mit 28,4% lediglich 3,8% darüber. Tariforientierte Betriebe sind daher tariffernen Betrieben wesentlich ähnlicher als Betrieben innerhalb des Tarifsystems“, führt er weiter aus.

Diese Ergebnisse zeigen, dass das Ausmaß der Tariferosion wesentlich stärker ist, als bisher vermutet. Bisher wurde angenommen, dass Beschäftigte in tariforientierten Betrieben zumindest indirekt von Flächentarifen profitieren.

„Dies ist jedoch definitiv nicht der Fall“, stellt Berwing fest und zieht den Schluss: „ Auf die Zukunft des Tarifsystems wirft dieser Befund einen dunklen Schatten. Schreibt man den Trend der letzten 10 Jahre für die nächsten 10 Jahre fort, dann zeigt sich, dass in Zukunft nicht nur weite Teile Ostdeutschlands eine Tarifödnis sind, sondern auch die westdeutsche Tariflandschaft weiter erodiert.“

Für die Studie hat Berwig Daten des IAB-Betriebspanels ausgewertet. Das ist eine jährliche repräsentative Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unter 16.000 Betrieben aller Wirtschaftszweige und Größen. Sie wird seit 1996 in allen west- und ostdeutschen Bundesländern durchgeführt.

Quelle: Universität Mannheim, 26.06.17

 

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