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Transfertagung des Projektes „Fair im Betrieb NRW“ am 28.4.17 in Düsseldorf

Transfertagung des Projektes „Fair im Betrieb NRW“ am 28.4.17 in Düsseldorf

Günter Wallraff im Gespräch mit Pagonis Pagonakis Bild: Arbeit und Leben NRW
Günter Wallraff im Gespräch mit Pagonis Pagonakis Bild: Arbeit und Leben NRW

„Demokratie hört nicht am Werkstor auf!“

Verstöße gegen die Mitbestimmungsrechte durch Arbeitgeber gehören in einigen Betrieben zum Alltag. Wenn solche Konflikte eskalieren, steckt in vielen Fällen eine gezielte Strategie dahinter. Hier mit einem Netzwerk zu intervenieren, Betroffene zu unterstützen, Akteure zu sensibilisieren und Handlungsoptionen zu entwickeln, war der Auftrag des Projektes „Fair im Betrieb NRW“, das im Rahmen der Landesinitiative “Faire Arbeit – Fairer Wettbewerb” seit Mai 2015 aktiv ist. Am Freitag, den 28.04.2017, zogen die Projektbeteiligten bei einer Transferveranstaltung im CVJM Haus Düsseldorf eine Bilanz der bisherigen Arbeit.

Dr. David Mintert, Landesgeschäftsführer von Arbeit und Leben NRW betonte in seinem Grußwort angesichts der Zunahme von Angriffen auf Betriebsrätinnen und Betriebsräte: „Eine Fortsetzung des Projektes ist unabdingbar.“ 

Eingeleitet wurde die Veranstaltung von Maria Mattioli vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW. Das Projekt „Fair im Betrieb NRW“ habe sich seit seinem Start vor zwei Jahren „zur Marke entwickelt“. Sie wies auf die elementare Bedeutung einer fairen und vertrauensvollen Zusammenarbeit von Unternehmen und Betriebsräten hin. „Demokratie hört nicht am Werkstor auf“, so Maria Mattioli.

Susan Paeschke, Pagonis Pagonakis und Martin Rapp stellten anschließend als Projektteam Erfahrungen und Ergebnisse aus der Arbeit der vergangenen beiden Jahre vor und präsentierten die im Projekt entwickelte Arbeitshilfe.

Laut Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit arbeiten nur 40 Prozent der westdeutschen Beschäftigten in einem Betrieb mit Betriebsrat. Vor 20 Jahren waren es noch mehr als 50 Prozent. Im Osten ist der Anteil noch niedriger und schrumpft ebenfalls.

Eindrucksvoll schilderten Betriebsräte und Gewerkschafter, wie sie Union Busting (Gewerkschaftszerschlagung) und Bossing (von der Unternehmensleitung gesteuertes Mobbing) im betrieblichen Alltag erleben. Der Betriebsratsvorsitzende Mehmet Öczan (BAUHAUS Witten) und die ver.di-Gewerkschaftssekretärin Agnes Westerheide aus Bochum beleuchteten dabei die Bedeutung von Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit. Ohne breite Hilfe und professionelle Unterstützung würde man in massiven Konflikten schnell untergehen.

Der Enthüllungsjournalist und Publizist Günter Wallraff berichtete von einer großen Zunahme von Hilferufen und Zuschriften, die ihn erreichen. Union Busting und Bossing habe in den letzten 15 Jahren massiv zugenommen, so Günter Wallraff. Er forderte zur Solidarität mit Betroffenen auf und prangerte insbesondere einschlägig bekannte, sogenannte „Arbeitgeber-Anwälte“ an, die sich darauf spezialisiert haben mit übelsten Methoden betriebliche Interessenvertretungen und engagierte Betriebsräte zu bekämpfen, „häufig bis zum physischen und psychischem Zusammenbruch der Betroffenen“.

„Fair im Betrieb NRW“ ist ein Kooperationsprojekt von Arbeit und Leben NRW und der Günter-Wallraff-Stiftung. Das Projekt wird durch das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen sowie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert und im Rahmen der Landesinitiative "Faire Arbeit – Fairer Wettbewerb" begleitet.

Die Handlungshilfe bei Bossing und Union Busting finden Sie hier.

Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier.

 

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