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Umwandlung von Minijobs: Es gibt genügend Ansatzpunkte

Umwandlung von Minijobs: Es gibt genügend Ansatzpunkte

Cordula Sczesny, Soziale Innvation GmbH, Dortmund
Cordula Sczesny, Soziale Innvation GmbH Dortmund Bild: DGB NRW

Frau Sczesny, Sie haben in den letzten Jahren intensiv das Thema der Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung untersucht. Bei Ihrem jüngsten Projekt standen die Auswirkungen auf die betriebliche Beschäftigungspolitik im Fokus. Worum ging es in dem Projekt genau?

Dr. Cordula Sczesny:

Nach unserem ersten Projekt zur Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, in dem wir die Projekte von vier Jobcentern evaluiert haben, hat uns das Arbeitsministerium nun beauftragt, uns genauer mit der Beschäftigungspolitik in ausgewählten Branchen zu beschäftigen. Wir haben uns auf drei Branchen konzentriert: auf den Einzelhandel, das Hotel- und Gaststättengewerbe und den Bereich Reinigung; diese drei Branchen deshalb, weil in ihnen die meisten Minijobs in NRW zu finden sind. Für uns ging es darum herauszufinden, ob sich in den Betrieben, die schon einmal Minijobs umgewandelt haben, die Beschäftigungspolitik insgesamt verändert – hin zu weniger Minijobs – oder ob sie umwandeln, wenn es gerade in einem Fall mal passt, ansonsten aber prinzipiell weiter auf Minijobs setzen.

Welche Rolle spielen die Minijobs in den von Ihnen untersuchten Unternehmen?

Dr. Cordula Sczesny:

Wir haben uns die betriebliche Beschäftigungspolitik angesehen, und welche Rolle Minijobs dabei spielen. Es ließen sich bestimmte Gruppen ausmachen. Im Einzelhandel beträgt in jedem dritten Unternehmen der Anteil der Minijobs an allen Arbeitsplätzen mindestens 50 Prozent. Um statistisch sauber zu arbeiten, müsste man das in Vollbeschäftigten-Einheiten umrechnen. Das lässt sich in der Befragung von KMUs aber nur schwer umsetzen, weil die nur die Köpfe der Belegschaft erfassen. Wichtig ist, dass in einer nennenswerten Anzahl der Betriebe der Anteil der Minijobber tatsächlich sehr hoch ist. – Und das finden wir in allen drei Branchen.

Was sind die wichtigsten Gründe für Unternehmen in den untersuchten Branchen, Minijobs umzuwandeln?

Dr. Cordula Sczesny:

Mir fällt zuerst das Zitat eines Café-Besitzers ein, der sagte: „Ich habe viele Minijobs, aber ich würde gerne umwandeln, weil ich mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am ruhigsten schlafen kann.“ Das soll natürlich nicht heißen, dass Minijobberinnen und –jobber keine gute Arbeit leisten, aber in den Betrieben betrachtet man die Minijobber oft als Aushilfen. Dann fühlt sich der Minijobber auch als Aushilfe. Und Aushilfe heißt: Ich komme für die paar Stunden, und dann geh ich wieder. Viele Geschäftsinhaber sagen: Wenn ich den Job in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umwandle, merke ich den Wandel beim Mitarbeiter. Er schaut dann über den Tellerrand hinaus.

Das meistgenannte Argument ist also, gut eingearbeitete Mitarbeiter, die sich mit dem Unternehmen identifizieren, zu binden – gerade vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und auch der Schwierigkeit für diese Branchen, überhaupt gute Mitarbeiter zu gewinnen. Interessanterweise haben wir herausgefunden, dass nicht nur wegen zusätzlichen Personalbedarfs umgewandelt wird, sondern oft im Rahmen einer Umstrukturierung: Jemand verlässt das Unternehmen und das wird genutzt, um das Arbeitsvolumen eines anderen Mitarbeiters aufzustocken, immer vor dem Hintergrund, dass man einen guten Mitarbeiterstamm möchte, und auch das gleiche Gesicht für den Kunden.

Was sind zusammengefasst die wichtigsten Ergebnisse des Projekts und wie kann es weitergehen?

Dr. Cordula Sczesny:

Zum einen hat man noch einmal gesehen, in welchem Umfang tatsächlich in diesen Branchen auf den Minijob im Betriebskontext gesetzt wird; und auch wie die Routinen eingespielt sind, um dort weiter auf den Minijob zu setzen - eingespielt von Unternehmensseite, aber auch von Beschäftigtenseite. Jedes dritte Unternehmen sagt, dass es Minijobs reduzieren will oder unter bestimmten Voraussetzungen sogar darauf verzichten will. Das sind für uns 30 Prozent, die wir angehen müssen. Es geht also nicht um die 70 Prozent, die Nein sagen, wir müssen mit den 30 Prozent arbeiten, um Beschäftigung neu zu organisieren.

Wir haben aber auch gesehen: Es hapert bei der Umwandlung nicht nur bei den Betrieben, sondern auch bei den Minijobberinnen – es handelt sich überwiegend um Frauen in diesem Bereich. Wir haben immer wieder festgestellt, dass die Minijobber sagen: Wir möchten nicht mehr arbeiten. Das liegt oft an den traditionellen Rollenbildern: Das Haupteinkommen wird anders erwirtschaftet, der Minijob ist ein Zuverdienst.

Aber eigentlich machen die Ergebnisse Mut: Es gibt genügend Ansatzpunkte – wir müssen nur mit den Betrieben arbeiten. Wir müssen mehr Informationen geben, mehr aufklären, mehr Argumente bringen. Bei denen, die uns die Tür ein bisschen aufmachen, müssen wir den Schritt hinein machen.

Weitere Informationen zur Umwandlung von Minijobs und die drei branchenspezifischen Handlungshilfen finden Sie hier.

 

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