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Lohnhallengespräch "Vermittlung in faire Zeitarbeit"

Lohnhallengespräch "Vermittlung in faire Zeitarbeit"

Bild zeigt moderiertes Gespräch

Am Mittwoch, den 12. Februar 2014 lud die G.I.B. zusammen mit dem Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW (MAIS) sowie der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit zu der Veranstaltung „Vermittlung in faire Zeitarbeit“ in die Lohnhalle nach Bottrop ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Erfahrungen der "Hotline Zeitarbeit" der TBS NRW und des Modellprojektes "Zeitarbeit - eine Brücke in den Arbeitsmarkt?" der Soziale Innovation GmbH. Beide Projekte werden im Rahmen der Initiative „Faire Arbeit – Fairer Wettbewerb“ - mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds – durch das MAIS gefördert. Die Veranstaltung richtete sich insbesondere an Bereichs- und Teamleitungen sowie Arbeitsvermittlerinnen und -vermittler der NRW Jobcenter.

Peter Schäffer, Leiter der Abteilung „Arbeitsgestaltung und -sicherung“ in der G.I.B. eröffnete die Veranstaltung mit einem Blick auf  die aktuelle Lage in der Zeitarbeitsbranche in NRW. So habe sich die Zahl der Zeitarbeitskräfte in Deutschland in den letzten 10 Jahren deutlich erhöht. Allein in NRW seien Ende 2012 rund 200.000 Menschen in der Zeitarbeitsbranche beschäftigt gewesen. Trotz Mindestlohn und Branchenzuschlägen würden immer noch viele von ihnen zu schlechteren Bedingungen als die Stammbelegschaften arbeiten. „Das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW hat vor einem Jahr die Initiative „Faire Arbeit – Fairer Wettbewerb“ gestartet, um solchen Fehlentwicklungen auf dem Arbeitsmarkt entgegenzuwirken“, so Schäffer.

Ein Kernthema der Initiative sei die Verbesserung der Arbeitsbedingungen auch in der Zeitarbeitsbranche, erläuterte Barbara Molitor vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW. In ihrer Begrüßungsrede betonte sie: „Wir wollen NRW zum Land der fairen Arbeit machen, auch in der Zeitarbeit. Wir als Ministerium können dazu beitragen, indem wir die Rahmenbedingungen in der Zeitarbeit verbessern und durch Maßnahmen wie z.B. gezielte Öffentlichkeitsarbeit über Rechte und Pflichten aufklären und informieren. Wir sind aber - wenn wir die Betroffenen direkt erreichen wollen - auf die Mithilfe der Arbeitsvermittler in den Jobcentern angewiesen“, so die Leiterin des Referats für Grundsatzfragen in der Abteilung "Arbeit" des MAIS.

Der Fokus der Agentur für Arbeit und der Jobcenter müsse auf einer bedarfsdeckenden und nachhaltigen Vermittlung bzw. Integration in Arbeit liegen, so Peter Jäger, Geschäftsführer Grundsicherung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. Nur so könne Langzeitleistungsbezug auf Dauer entgegengewirkt werden. „Die Vermittlung in faire Zeitarbeit kann da ein hilfreiches Instrument darstellen“, so Jäger weiter.

Michael Hermund vom DGB Landesbezirk NRW kam nochmals auf einige Fakten der Zeitarbeitsbranche zu sprechen. Er wies darauf hin, dass die Leiharbeitsverhältnisse sich in den letzten 10 Jahren verdreifacht hätten und der so genannte Klebeeffekt mit 13% relativ gering sei. Vielmehr ende das durchschnittliche Leiharbeitsverhältnis bereits wieder nach 3 Monaten, so Hermund. Außerdem produziere die ungleiche bzw. schlechte Bezahlung von Leiharbeitnehmern erwerbstätige Arme, was dazu führt, dass der Staat mit aufstockenden Geldern Arbeitsplätze subventionieren muss. Im Jahr 2010 wurden bundesweit 300 Millionen Euro dafür ausgegeben. Er forderte daher eine Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes in insbesondere drei Punkten:

  • Gleichbehandlung durchsetzen: Equal Pay nach 9 Monaten
  • Leiharbeit befristen: Überlassungshöchstdauer 18 Monate
  • Leiharbeit und Werkverträge abgrenzen

Als Orientierungshilfe für Leiharbeitnehmer und -arbeitnehmerinnen aber auch Beschäftigte in den Jobcentern zur Vermittlung in faire Leiharbeit, stellte Silke Hoffmann, Leiterin der Hotline Zeitarbeit bei der TBS einen Kriterienkatalog für faire Leiharbeit vor. Einige Kriterien des Katalogs lauten z.B.:

  • Einhaltung geltender Regelungen in Arbeits- und Tarifverträgen
  • Arbeitsverträge nehmen Bezug auf Tarifvertrag der Zeitarbeitsbranche oder „Equal Pay“ (ggfs. über Haustarifvertrag) mit einer tariffähigen Gewerkschaft!
  • Zeitarbeitsunternehmen stellen sicher, dass für die eigenen Beschäftigten die gleichen Arbeitsbedingungen (Urlaub, Arbeitszeiten, Nutzung von Sozialräumen, etc.) gelten, wie für die Stammbelegschaft des Entleihbetriebs

Dr. Cordula Sczesny, Soziale Innovation GmbH, trug anschließend die bisherigen Ergebnisse des Modellprojekts „Zeitarbeit – eine Brücke in den Arbeitsmarkt?“ vor und konzentrierte sich dabei insbesondere auf Ansatzpunkte zur Erhöhung des Klebeeffekts. „Ein wesentlicher Erkenntnisgewinn unseres Modellprojekts ist, dass der größte Einfluss auf den Klebeeffekt die Zeitarbeitnehmer selber sowie die Kundenunternehmen zu scheinen haben“, so Sczesny. Zeitarbeitnehmer selber könnten am ehesten durch klassische Arbeitstugenden wie Einsatz, Wille und Motivation zum eigenen Klebeeffekt beitragen. Kundenunternehmen dagegen sehen eine gute Einarbeitung und Integration ins Team als starke Indikatoren zur Erhöhung des Klebeeffekts.

In zwei moderierten Gesprächen wurde anschließend anhand von Beispielen guter Praxis verdeutlicht, dass eine Vermittlung in faire Zeitarbeit möglich ist und mit Weiterbildung in der Zeitarbeit positive Ergebnisse erzielt werden können.

Best-Practice Beispiele:

  • Vermittlung in Faire Zeitarbeit: Kooperation START Zeitarbeit (Dr. Ulrich Jansen, Geschäftsführer) mit der SIEMPELKAMP NUKLEARTECHNIK GmbH (Karl-Heinz Kramm, Leiter Fertigung und Norbert Maag, Personalleiter)
  • Weiterbildung in der Zeitarbeit: Kooperation RANDSTAD(Steffen Rudolph, Senior Consultant Arbeitsmarktprojekte) mit der DMG MORI Academy (Jürgen Kemmler)

Bei einem abschließenden kleinen Imbiss setzten die Anwesenden ihren Erfahrungsaustausch fort und resümierten, dass die Veranstaltung interessante Anregungen für die Vermittlung in faire Zeitarbeit lieferte.

 

Präsentationen

Aktuelle Veränderungen in der Zeitarbeit - Rückblick und Ausblick (Michael Hermund, DGB Landesbezirk NRW)

Ansatzpunkte zur Erhöhung des Klebeeffekts in der Zeitarbeit (Dr. Cordula Sczesny, Soziale Innovation GmbH)

Kriterien für faire Leiharbeit (Silke Hoffmann, TBS Hotline Zeitarbeit)