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Leiharbeit / Werkverträge

Faire und sichere Arbeitsbedingungen bei der Leiharbeit

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren Ende Juni 2016 in Deutschland 1,006 Miilionen Leiharbeitnehmer in über 50.000 Verleihbetrieben beschäftigt. Sowohl die Anzahl der Arbeitnehmer als auch der Betriebe hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. War Leiharbeit in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 eine effektive temporäre Maßnahme zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes, so finden sich heute immer mehr Arbeitnehmer dauerhaft in diesem prekären Beschäftigungsverhältnis wieder.

Da sich teilweise deutlich niedrigere Löhne und Gehälter (Leiharbeitskräfte verdienen im Schnitt 40-50 Prozent weniger als die Stammbeschäftigten) sowie schlechtere Absicherungen bei den Sozialleistungen abzeichnen, sind Gesetzgeber und Tarifpartner gleichermaßen aufgefordert, hier für fairere Teilnamebedingungen am Arbeitsmarkt zu sorgen.

 

Beinahe die Hälfte der Beschäftigungsverhältnisse dauert weniger als drei Monate

Leiharbeit ist zumeist eine kurzfristige Beschäftigungsform: Beinahe die Hälfte der Beschäftigungsverhältnisse dauert weniger als drei Monate.

Nach wie vor scheinen Verleiher ihren Personalbestand „möglichst elastisch“ ihrer Auftragslage anzupassen. Damit besteht ein überdurchschnittlich hohes Entlassungsrisiko. Lediglich 7 Prozent der Leiharbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer, die zuvor arbeitslos waren, schaffen dauerhaft den Sprung aus der Leiharbeit (Quelle: IAB Kurzbericht 13/2010).

 

Fahrplan zur fairen Gestaltung von Leiharbeit

Um dem Ziel einer fairen Gestaltung von Leiharbeit näher zu kommen, wurden und werden wir im Rahmen der Initiative "Faire Arbeit – Fairer Wettbewerb" auf verschiedenen Ebenen aktiv:

  • Bundesratsinitiative für faire und sichere Arbeitsbedingungen in der Leiharbeit,
  • Veranstaltungen, Informationsgespräche mit Zeitarbeitsunternehmen, Arbeitsuchenden, Jobcentern und Betriebsräten,
  • Beratung durch die Service Hotline Zeitarbeit und Werkvertrag
  • Modellprojekt "Zeitarbeit - Eine Brücke in den Arbeitsmarkt?",
  • Transfer guter Ansätze für faire Zeitarbeit,
  • Erarbeitung von Lösungsansätzen zur Verhinderung von Lohndumping durch Scheinwerkverträge.
 

Änderungen in der Gesetzgebung zu Leiharbeit und Werkvertrag

Zum 01.04.2017 treten die gesetzlichen Änderungen bei Arbeitnehmerüberlassung und Werkverträgen in Kraft. In der Regel wird die Überlassungsdauer auf 18 Monate begrenzt, Equal Pay ab 9 Monaten gezahlt. In beiden Fällen bestehen Möglichkeiten tarifvertraglicher Abweichungen. Einsätze von Leiharbeitskräften müssen im Überlassungsvertrag als Arbeitnehmerüberlassung bezeichnet werden und das Betriebsverfassungsgesetz wird erweitert.

Wie stellt sich die betriebliche Interessenvertretung unter den neuen Rahmenbedingungen auf? An welcher Stelle kann Einfluss auf Fremdfirmeneinsätze genommen werden? Welche Ansprüche müssen Arbeitssuchende bei der Vermittlung in die Zeitarbeitsbranche kennen?

Über diese Fragen diskutierten am 17.01.17 im Düsseldorfer "Townhouse" auf Einladung der "Service-Hotline Zeitarbeit und Werkvertrag" zweihundert Betriebsräte, Gewerkschafter und Vertreter der Zeitarbeitsbranche.

Den Veranstaltungsbericht und die Präsentationen finden Sie hier.

 

Arbeitsrechtliches Gutachten: Konkrete Vorschläge aus NRW zur Verhinderung des Missbrauchs von Werkverträgen und Leiharbeit

Werkverträge werden zunehmend genutzt, um Personalkosten zu sparen und Arbeitnehmerrechte zu umgehen. Das Arbeitsministerium Nordrhein-Westfalen hat deshalb Herrn Prof. Dr. Peter Schüren und Frau Prof. Dr. Christiane Brors im Rahmen der Initiative „Faire Arbeit – Fairer Wettbewerb“ beauftragt, ein Gutachten zu erstellen, das Lösungen für dieses Problem aufzeigen soll. Das Gutachten wurde am 17. März 2014 in Berlin vorgestellt. Die Berichterstattung der Veranstaltung finden Sie hier.

Das arbeitsrechtliche Gutachten steht Ihnen im Folgenden als PDF-Download zur Verfügung: