Schnellzugriff

Löhne fair gestalten

NRW ist das Land der guten Arbeit. Die Sozialpartner also Arbeitgeber und Gewerkschaften haben daran einen entscheidenden Anteil. Denn NRW ist das Land der guten Arbeit auch deshalb, weil NRW das Land der Tarifverträge ist: Die Tarifbindung der Beschäftigten in NRW liegt weit höher als in Westdeutschland.

Aber auch in NRW gilt: Knapp zwei Drittel der Betriebe sind nicht mehr tarifgebunden. Im Jahr 2015 waren es nur noch 36 % der Betriebe in Nordrhein-Westfalen, die durch einen Flächen- oder Firmentarifvertrag tariflich gebunden sind.

Die Stärkung der Tarifautonomie ist zum Beispiel ein entscheidender Faktor, um die Lohnungerechtigkeit zwischen Frauen und Männern zu beseitigen. Frauen profitieren besonders von Tarifbindung.

Die Stundenlöhne von Frauen mit Tarifbindung liegen um gut 9 Prozent höher als ohne, im Einzelhandel verdienen Frauen mit Tarifvertrag sogar 17,3 Prozent mehr. (Quelle: http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/52621_53274.htm)

Die IG Metall hat kürzlich die Entgeltlücke mit und ohne Tarifvertrag untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass sie sich in tarifgebundenen Unternehmen auf 3,7% reduziert. (Quelle: http://www.boeckler.de/wsimit_2016_02_hofmann.pdf)

Deshalb müssen Anstrengungen unterstützt werden, dass es wieder mehr Betriebe mit Tarifbindung gibt. Tarifautonomie bedeutet, dass Mindeststandards für Einkommens- und Arbeitsbedingungen von denen ausgehandelt werden, die auch die Besonderheiten der einzelnen Branchen kennen: Gewerkschaften auf der einen, Arbeitgeber oder deren Verbände auf der anderen Seite.

 
Tarifbindung an Flächen- und Firmentarifverträge in  Westdeutschland (ohne NRW) und in NRW
Tarifbindung an Flächen- und Firmentarifverträge in Westdeutschland (ohne NRW) und in NRW

Tarif-Lohnentwicklung in NRW

Das Tarifregister beim NRW Arbeitsministerium hat die Tarif-Lohnentwicklung in NRW von 1990 bis 2016 in 50 unterschiedlichen Wirtschaftszweigen ausgewertet und Daten für jeden Wirtschaftszweig zusammengestellt.

Die preisbereinigten Tarifverdienste haben in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2016 um 2,05 % gegenüber dem Vorjahr zugenommen. 2015 gab es gegenüber 2014 ein Plus von 2,2 %.

Im Zeitraum von 2000 bis 2016 stiegen die realen Tarifverdienste insgesamt um 10,05 %, wobei allein im Zeitraum 2011 bis 2016 ein Anstieg um 8,38 % zu verzeichnen ist. Besonders zulegt hat in den letzten sechs Jahren das Tischlerhandwerk mit einem realen Plus von 22 %. Die Sozialpartner schließen seit 2012 für diese Branche wieder regelmäßig Tarifverträge ab.

Ein Anstieg von 24,8 % der realen Tarifverdienste im Zeitraum zwischen 2000 und 2016 verzeichnet das Sicherheitsgewerbe, in dem seit vielen Jahren Teile des Entgelttarifvertrag für allgemeinverbindlich erklärt wurden.

Für die vorliegende Auswertung wurden die Tabellengrundentgelte (Stand: 31.12.) aus den Jahren 1990, 1995, 2000, 2005, 2010, 2015 und 2016 ohne sonstige Vergütungen wie Urlaubsgeld, Jahressonderzahlung und andere Zuschläge berücksichtigt.

Es wurde zudem unterschieden nach ungelernten, qualifizierten und hoch qualifizierten Beschäftigten.

In einzelnen Tarifbereichen hat es in den letzten 27 Jahren Veränderungen in der Entgeltstruktur gegeben, so dass die Werte nicht immer bzw. nur bedingt miteinander vergleichbar sind. Es geht um Trends.

 

Tarifspiegel 2016 für NRW

Das Tarifregister beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gibt einmal im Jahr einen Tarifspiegel heraus. In dieser Übersicht werden die tariflichen Grundvergütungen im Niedriglohnbereich veröffentlicht.

Für 2014 hat das Statistische Bundesamt die Niedriglohngrenze mit aktuell 10,00 Euro Brutto errechnet. Nach der Auswertung von 170 Verbandstarifverträgen in Nordrhein- Westfalen gibt es in 59 Wirtschaftszweigen tarifliche Grundvergütungen von weniger als 10,00 Euro je Stunde (ohne Zuschläge wie Urlaubsgeld und Sonderzahlungen).

Den Tarifspiegel 2016 finden Sie hier.

 

Lohnwucher/ Sittenwidriger Lohn

Ein sittenwidriger Lohn kann dann vorliegen, wenn der vertraglich vereinbarte Lohn max. 2/3 des entsprechenden Tariflohns des einschlägigen Wirtschaftszweiges beträgt (aus der Rechtsprechung des BAG). Um den Vergleich zu den Tariflöhnen herzustellen, bietet das Tarifregister NRW aus über 100 Branchen Datenübersichten zu den einzelnen Tarifwerken unter www.tarifregister.nrw.de.